Denkmal, Wissen und Quellen

Wir möchten auf dieser Website nicht nur über die Sanierung des Wasserturms berichten. Unser Ziel ist es auch, das vorhandene Wissen über das Bauwerk zusammenzutragen, zu überprüfen und dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen.

Dabei gilt für uns ein einfacher Grundsatz:

Was wir als Tatsache darstellen, soll nachvollziehbar belegt sein.

Nicht alle Fragen lassen sich heute eindeutig beantworten. Deshalb unterscheiden wir bewusst zwischen amtlich dokumentierten Angaben, historischer Forschung, Befunden direkt am Bauwerk und Angaben, die noch weiter überprüft werden müssen.

Das amtliche Denkmaldokument

Eine unserer wichtigsten Quellen ist das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.

Der Wasserturm wird dort unter der Objektdokumentnummer 09285333 geführt. Das Denkmaldokument nennt das Baujahr 1895, die ursprüngliche Funktion, die wesentlichen konstruktiven Merkmale und seine eisenbahn- und technikgeschichtliche Bedeutung.

Diese amtliche Dokumentation ist für uns die wichtigste Grundlage für grundlegende Angaben zum Denkmal.

Eisenbahnhistorische Forschung

Eine weitere zentrale Quelle ist die Arbeit „Der Bahnhof Radeberg – Ältester sächsischer Bahnhof östlich der Residenzstadt Dresden“ von Dipl.-Ing. Klaus Schönfuß.

Sie ordnet den Wasserturm in die Entwicklung des Bahnhofs und seiner früheren Wasserstationen ein. Die Arbeit erschien erstmals 2024 und wurde 2025 über den Dokumentenserver Qucosa der SLUB veröffentlicht. Sie enthält ein eigenes Kapitel zum Wasserturm sowie Quellen- und Literaturhinweise.

Für uns ist diese Veröffentlichung besonders wichtig, weil sie den Wasserturm nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit der Entwicklung der gesamten Radeberger Eisenbahninfrastruktur.

Das Bauzustandsgutachten von 2025

Für den heutigen Bestand ist die „Gutachterliche Stellungnahme – Industriedenkmal Wasserturm Radeberg, Bauwerkszustand und Sanierungsvorschlag“ von Dipl.-Ing. Holger Prade eine unserer wichtigsten Quellen.

Sie wurde 2025 im Auftrag unseres Vereins erstellt und untersucht unter anderem Mauerwerk, Dach, Fenster, Behältergeschoss, Stahlbehälter, Leitungen, Aufstiege und Fundament.

Für unsere Wissenssammlung ist das Gutachten besonders wertvoll, weil es zahlreiche Details dokumentiert, die unmittelbar am Bauwerk festgestellt wurden: Maße, Leitungen, konstruktive Bauteile, die Pumpe von 1977 und den Zustand der historischen technischen Ausstattung.

Gleichzeitig beachten wir bei der Nutzung eine wichtige Grenze: Das Gutachten ist in erster Linie eine bautechnische Untersuchung, keine historische Quellenedition. Historische Angaben daraus bewerten wir deshalb danach, wie weit ihre ursprüngliche Quelle nachvollziehbar ist.

Das Gutachten selbst hält fest, dass bei Beginn der Untersuchung keine vollständigen historischen Pläne, Verträge oder belastbaren Bahnunterlagen zu Erbauer und Nutzung vorlagen.

Wie wir Informationen einordnen

Für unsere Arbeit unterscheiden wir drei Ebenen:

Belegt

Die Angabe ist durch ein amtliches Dokument, einen unmittelbar feststellbaren Baubefund oder eine nachvollziehbar belegte Fachquelle abgesichert.

Überliefert

Die Angabe findet sich in historischen oder heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen, konnte bislang aber nicht vollständig auf eine ursprüngliche Quelle zurückgeführt werden.

Offen

Uns liegt derzeit keine ausreichend belastbare Antwort vor.

Diese Unterscheidung hilft uns, gesichertes Wissen nicht mit Vermutungen zu vermischen.

Was wir noch herausfinden möchten

Trotz der inzwischen guten Quellenlage bleiben Fragen offen.

Wir möchten insbesondere noch klären, wer den Wasserturm konkret plante und ausführte, welche Firma den Stahlbehälter fertigte, ob vollständige Originalbauzeichnungen erhalten sind und wie sich die Wasserversorgung des Bahnhofs im Detail entwickelte.

Auch die letzten Betriebsjahrzehnte interessieren uns besonders: Was führte zum Umbau der Anlage vor 1977? Welche Aufgabe hatte die damals eingebaute Pumpe genau? Und lässt sich die Außerbetriebnahme im Jahr 1979 noch durch eine zeitgenössische Bahnunterlage bestätigen?

Das Gutachten empfiehlt für weiterführende historische Informationen ausdrücklich auch eine Recherche bei der Deutschen Bahn als Nachfolgerin der Deutschen Reichsbahn.

Helfen Sie uns bei der Forschung

Ein Teil dieser Antworten könnte noch in Archiven, privaten Fotoalben, Firmenunterlagen oder Familiennachlässen verborgen sein.

Wir interessieren uns besonders für:

  • historische Fotografien des Wasserturms und des Bahnhofs
  • Bau- und Lagepläne
  • technische Zeichnungen und Unterlagen
  • Dokumente der Bahn
  • Unterlagen zur Wasserversorgung
  • Fotografien aus dem Inneren des Wasserturms
  • Erinnerungen ehemaliger Eisenbahner und anderer Zeitzeugen

Auch ein einzelnes Foto oder ein unscheinbares Dokument kann helfen, eine offene Frage zu beantworten.

Wenn Sie historische Unterlagen, Fotografien oder Informationen zum Radeberger Wasserturm besitzen, freuen wir uns über eine Nachricht.

Unser Ziel

Wir möchten auf dieser Website langfristig eine möglichst verlässliche und öffentlich zugängliche Wissenssammlung zum Radeberger Wasserturm aufbauen.

Neue Erkenntnisse werden wir ergänzen, Fehler korrigieren und offene Fragen auch weiterhin als solche benennen.

Denn zum Erhalt eines Denkmals gehört für uns nicht nur das Bauwerk selbst.

Dazu gehört auch das Wissen über seine Geschichte.