Die Geschichte des Radeberger Wasserturms
Die Geschichte des Wasserturms beginnt nicht erst mit seinem Bau im Jahr 1895. Sie ist eng mit der Entwicklung des Radeberger Bahnhofs und der Dampfeisenbahn verbunden.
Bereits zur frühen Bahnhofsanlage von 1845 gehörten nach der eisenbahnhistorischen Forschung ein Maschinenhaus und eine Wasserstation. Die Versorgung der Dampflokomotiven mit Wasser war damit von Anfang an Teil der technischen Infrastruktur des Radeberger Bahnhofs.

Der Weg zum heutigen Wasserturm
Mit wachsendem Bahnverkehr und dem Ausbau des Bahnhofs stiegen auch die Anforderungen an die Wasserversorgung. Nach eisenbahnhistorischen Forschungen entstand 1873 eine weitere Wasserstation.
1895 folgte schließlich der heute erhaltene Wasserturm. Er bildete die nächste Entwicklungsstufe der Wasserversorgung des Radeberger Bahnhofs.
Das Baujahr 1895 und seine ursprüngliche Aufgabe – die Versorgung von Dampflokomotiven – sind auch im amtlichen Denkmaldokument verzeichnet.
Woher kam das Wasser?
Nach den Forschungen von Klaus Schönfuß wurde der 1895 in Betrieb genommene Wasserturm nicht, wie in früheren Darstellungen teilweise angegeben, vom Pumpwerk an der Großen Röder versorgt.
Bereits 1892 hatte die Radeberger Exportbierbrauerei eine Quelle im Karswald bei Arnsdorf erschlossen und das Wasser über eine rund acht Kilometer lange eigene Leitung nach Radeberg geführt. Nach Schönfuß vereinbarten Bahnverwaltung und Brauerei eine Mitnutzung dieser Leitung für die Brauchwasserversorgung des Bahnhofs und des 1895 in Betrieb genommenen Wasserturms. Das ältere Röder-Pumpwerk einschließlich der bisherigen Wasserleitungen und Wassergräben wurde daraufhin stillgelegt.
Die genaue Rolle des Röder-Pumpwerks bei der älteren Wasserversorgung des Bahnhofs ist dagegen noch nicht abschließend geklärt. Schönfuß geht davon aus, dass das Pumpwerk zunächst die Eisenwerke und später auch die Brauerei und den Bahnhof versorgte.
Die letzten Betriebsjahre
Ein konkretes Zeugnis der späten technischen Ausstattung befindet sich noch heute im Turm: eine Pumpe des Herstellers G. Dimitroff mit der Jahresangabe 1977.
Ursprünglich erfolgten sowohl die Befüllung als auch die Entleerung des Wasserbehälters über eine gemeinsame DN-200-Leitung. Nachdem diese schadhaft geworden war, wurde eine neue DN-80-Leitung eingebaut. Teile beider Leitungen sind bis heute erhalten.
Wann genau dieser Umbau erfolgte, ist bislang nicht abschließend geklärt. Möglicherweise steht er im Zusammenhang mit der Pumpe mit der Jahresangabe 1977. Ob die Pumpe tatsächlich im Zuge des Leitungsumbaus eingebaut wurde, lässt sich derzeit jedoch nicht sicher belegen.
Nach heutigem Kenntnisstand ging der Wasserturm 1979 außer Betrieb. Dieses Jahr wird im Gutachten von 2025 ausdrücklich genannt.
Eine zeitgenössische Betriebsunterlage der damaligen Deutschen Reichsbahn, die das Stilllegungsdatum unmittelbar bestätigt, liegt uns bislang allerdings nicht vor. Deshalb behandeln wir 1979 als derzeit bestbelegtes Stilllegungsjahr, nicht als abschließend archivalisch nachgewiesenes Datum.
Vom Betriebsbauwerk zum Denkmal
Mit dem Ende der ursprünglichen Nutzung verlor der Wasserturm seine praktische Aufgabe. Das Bauwerk selbst blieb jedoch erhalten.
Heute liegt sein besonderer Wert darin, dass sich an ihm wesentliche Elemente der historischen Wasserversorgung der Eisenbahn noch nachvollziehen lassen. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen bewertet den Wasserturm als Zeugnis für die Entwicklung der Wasserversorgung im Eisenbahnwesen am Ende des 19. Jahrhunderts und misst ihm technik- und eisenbahngeschichtliche Bedeutung bei.
Ende 2021/Anfang 2022 begannen aus dem Umfeld des RadebergWerks verstärkte Bemühungen um den Erhalt des Turmes.
Im Herbst 2023 wurde schließlich unser gemeinnütziger Verein gegründet und im Dezember in das Vereinsregister eingetragen.
Im Sommer 2024 konnten wir den Wasserturm erwerben.
Seitdem arbeiten wir Schritt für Schritt daran, das Bauwerk zu sichern, zu untersuchen und denkmalgerecht zu erhalten.
Zeittafel
1845
Zum frühen Bahnhof Radeberg gehört bereits eine Wasserstation.
1873
Nach eisenbahnhistorischen Forschungen entsteht eine weitere Wasserstation.
1892
Die Radeberger Exportbierbrauerei erschließt eine Quelle im Karswald bei Arnsdorf und errichtet eine rund acht Kilometer lange Wasserleitung nach Radeberg.
1895
Bau und Inbetriebnahme des heute erhaltenen Wasserturms zur Versorgung der Dampflokomotiven. Nach den Forschungen von Klaus Schönfuß wird der Wasserturm über die Karswald-Leitung mit Wasser versorgt.
1977
Eine heute noch im Turm vorhandene Pumpe trägt die Jahresangabe 1977. Möglicherweise erfolgte um diese Zeit auch der Einbau der DN-80-Leitung nach dem Schadhaftwerden der DN-200-Leitung.
1979
Nach heutigem Kenntnisstand geht der Wasserturm außer Betrieb.
2023
Gründung unseres gemeinnützigen Vereins.
2024
Wir erwerben den Wasserturm.
2025
Umfassende gutachterliche Untersuchung des Bauwerkszustandes und erste Sicherungsmaßnahmen.
Seit 2026
Vorbereitung und schrittweise Umsetzung der denkmalgerechten Sanierung.
