Die Geschichte des Radeberger Wasserturms

Die Geschichte des Wasserturms beginnt nicht erst mit seinem Bau im Jahr 1895. Sie ist eng mit der Entwicklung des Radeberger Bahnhofs und der Dampfeisenbahn verbunden.

Bereits zur frühen Bahnhofsanlage von 1845 gehörten nach der eisenbahnhistorischen Forschung ein Maschinenhaus und eine Wasserstation. Die Versorgung der Dampflokomotiven mit Wasser war damit von Anfang an Teil der technischen Infrastruktur des Radeberger Bahnhofs.

Der Weg zum heutigen Wasserturm

Mit wachsendem Bahnverkehr und dem Ausbau des Bahnhofs stiegen auch die Anforderungen an die Wasserversorgung.

Historische Forschungen beschreiben eine weitere Wasserstation aus dem Jahr 1873. Ende des 19. Jahrhunderts wurde schließlich eine neue Lösung erforderlich.

1895 entstand der heute erhaltene Wasserturm. Das Baujahr und seine ursprüngliche Aufgabe – die Versorgung von Dampflokomotiven – sind auch im amtlichen Denkmaldokument verzeichnet.

Als Bauherr wird im Gutachten von 2025 die Königlich Sächsische Staatseisenbahn genannt. Ein zeitgenössischer Baunachweis, aus dem sich auch Planer oder ausführende Firma eindeutig ergeben, liegt uns bislang jedoch nicht vor.

Woher kam das Wasser?

Nach den bislang überlieferten Angaben befand sich ein Pumpwerk am linken Ufer der Großen Röder. Von dort soll Wasser über eine Strecke von etwa 600 Metern in den rund 26 Meter höher gelegenen Hochbehälter des Wasserturms gepumpt worden sein.

Später änderte sich die Versorgung. Das Gutachten gibt wieder, dass der Wasserturm schließlich an eine Wasserversorgung aus dem Karswald angeschlossen und das frühere Pumpwerk außer Betrieb genommen wurde.

Diese Angaben gehören zu den Punkten, die wir noch stärker mit zeitgenössischen Unterlagen absichern möchten.

Die letzten Betriebsjahre

Ein ungewöhnlich konkretes Zeugnis der späten Nutzung befindet sich noch heute im Turm: eine Pumpe des Herstellers G. Dimitroff aus dem Jahr 1977.

Das Gutachten bringt diese Pumpe mit der jüngeren DN-80-Steigleitung in Verbindung und deutet den Befund als Hinweis auf einen späten Umbau beziehungsweise Ersatz der ursprünglichen Anlage.

Nach heutigem Kenntnisstand ging der Wasserturm 1979 außer Betrieb. Dieses Jahr wird im Gutachten von 2025 ausdrücklich genannt. Auch die dort dokumentierte Pumpe aus dem Jahr 1977 passt zeitlich zu dieser Angabe.

Eine zeitgenössische Betriebsunterlage der damaligen Deutschen Reichsbahn, die das Stilllegungsdatum unmittelbar bestätigt, liegt uns bislang allerdings nicht vor. Deshalb behandeln wir 1979 als derzeit bestbelegtes Stilllegungsjahr, nicht als abschließend archivalisch nachgewiesenes Datum.

Vom Betriebsbauwerk zum Denkmal

Mit dem Ende der ursprünglichen Nutzung verlor der Wasserturm seine praktische Aufgabe. Das Bauwerk selbst blieb jedoch erhalten.

Heute liegt sein besonderer Wert gerade darin, dass sich an ihm wesentliche Elemente der historischen Wasserversorgung der Eisenbahn noch nachvollziehen lassen. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht darin ein wichtiges Zeugnis für die Entwicklung der Wasserversorgung im Eisenbahnwesen am Ende des 19. Jahrhunderts.

2021 begannen aus dem Umfeld des RadebergWerks verstärkte Bemühungen um den Erhalt des Turmes.

Im Herbst 2023 wurde schließlich unser gemeinnütziger Verein gegründet und im Dezember in das Vereinsregister eingetragen.

Im Sommer 2024 konnten wir den Wasserturm erwerben.

Seitdem arbeiten wir Schritt für Schritt daran, das Bauwerk zu sichern, zu untersuchen und denkmalgerecht zu erhalten.

Zeittafel

1845

Zum frühen Bahnhof Radeberg gehört bereits eine Wasserstation.

1873

Nach eisenbahnhistorischer Forschung entsteht eine weitere Wasserstation.

1895

Bau des heute erhaltenen Wasserturms.

Spätere Betriebszeit

Veränderung der Wasserversorgung und nach historischen Angaben Anschluss an eine Leitung aus dem Karswald.

1977

Eine heute noch im Turm vorhandene Pumpe stammt aus diesem Jahr und dokumentiert eine späte Veränderung der technischen Anlage.

1979

Nach heutigem Kenntnisstand geht der Wasserturm außer Betrieb.

2023

Gründung unseres gemeinnützigen Vereins.

2024

Wir erwerben den Wasserturm.

2025

Umfassende gutachterliche Untersuchung des Bauwerkszustandes und erste Sicherungsmaßnahmen.

Seit 2026

Vorbereitung und schrittweise Umsetzung der denkmalgerechten Sanierung.