Der Wasserturm Radeberg

Seit 2024 gehört der Wasserturm am Bahnhof Radeberg unserem Verein. Für uns und viele Menschen hier vor Ort ist er ein sichtbares Stück Radeberger Stadt-, Industrie- und Eisenbahngeschichte.

Der Turm wurde 1895 für die Wasserversorgung von Dampflokomotiven an der Bahnstrecke Görlitz–Dresden-Neustadt errichtet. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen beschreibt ihn als Kulturdenkmal von eisenbahngeschichtlicher und technikgeschichtlicher Bedeutung.

Unser Ziel ist es, dieses besondere Bauwerk denkmalgerecht zu erhalten und das Wissen über seine Geschichte und Technik dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen.

Der Wasserturm auf einen Blick

MerkmalAngabe
Baujahr1895
Standortam Bahnhof Radeberg, an der Brücke Rathenaustraße
Höherund 16 m
Ursprüngliche FunktionWasserversorgung von Dampflokomotiven
Zu-/FallleitungDN 200; gemeinsame Zu-/Fallleitung, später DN 80
Fassungsvermögenca. 52 m³ / 52.000 Liter
Wasserbehälterstählerner Behälter, Bauart Intze I
Behälterauflagerca. 8,43 m über dem Boden;
Ring aus silikatgebundenem Sandstein
Behältergeschossauskragende Eisenfachwerkkonstruktion mit umlaufendem Gang
Außenhaut des Turmkopfesvermörtelte Leichtkonstruktion, in Anlehnung an das Rabitz-Prinzip
Turmschaftrotes Klinkermauerwerk
Dachschiefergedecktes Kegeldach
Außer Betriebnach heutigem Kenntnisstand seit 1979
DenkmalschutzKulturdenkmal im Freistaat Sachsen
Denkmal-ID09285333
Heutiger EigentümerIndustriedenkmal Wasserturm Radeberg e. V.

Aufbau und Technik

Der sich nach oben verjüngende Turmschaft besteht aus massivem Klinkermauerwerk. Das Bauzustandsgutachten von 2025 nennt eine Wandstärke von etwa 50 Zentimetern. Die dort vermessenen Klinker haben ein Format von ungefähr 21,5 × 6,5 × 11,5 Zentimetern.

Historische Bauzeichnung des Wasserturms Radeberg · Quelle: Sammlung Verkehrsmuseum Dresden

Im Inneren befindet sich noch heute der historische stählerne Wasserbehälter vom Typ Intze I. Das Behälterauflager liegt nach dem Gutachten etwa 8,43 Meter über dem Boden. Der Behälter wird von Stahlträgern und betonierten Tonnengewölben getragen. Der Stahlbehälter selbst steht auf einem Ring aus silikatgebundenem Sandstein.

Den Behälter umgibt eine filigrane Eisenfachwerkkonstruktion. Sie kragt deutlich über den schmaleren Turmschaft hinaus. Zwischen dem Wasserbehälter und der Außenhaut befindet sich ein begehbarer, umlaufender Zwischenraum mit einem in die Eisenkonstruktion integrierten Gang aus Riffelblech. Die Außenhaut ist dabei nicht als massive Wand ausgeführt: Eine etwa 60 bis 70 Millimeter starke Vermörtelung bildet den äußeren Abschluss der Eisenkonstruktion – eine Bauweise in Anlehnung an das Rabitz-Prinzip. Zusammen bilden Eisenkonstruktion und verputzte Außenhaut das charakteristische Behältergeschoss.

Schmale, paarweise angeordnete Fenster sorgen dort für Licht. Darüber schließt der Turm mit seinem schiefergedeckten Kegeldach ab.

Das Landesamt für Denkmalpflege nennt außerdem den Schriftzug „Radeberg“, Reste der früheren Wasserstandsanzeige sowie die nicht mehr erhaltene ursprüngliche Entlüftungshaube auf dem Dach als charakteristische Details des Bauwerks.

Wie funktionierte der Wasserturm?

Dampflokomotiven benötigten regelmäßig große Mengen Wasser. Dieses wurde in den hoch gelegenen Behälter gepumpt. Durch die erhöhte Lage des Behälters stand das gespeicherte Wasser anschließend unter hydrostatischem Druck und konnte über das Leitungsnetz den Entnahmestellen der Bahnanlagen zugeführt werden.

Ursprünglich erfolgten sowohl die Befüllung als auch die Entleerung des Behälters über dieselbe DN-200-Leitung. Sie diente damit zugleich als Zuleitung zum Behälter und als Fallleitung, über die das gespeicherte Wasser wieder in das Versorgungsnetz gelangte.

Die Dampflokomotiven wurden über Wasserkräne versorgt. Nach Klaus Schönfuß befand sich der zum Wasserturm gehörende Wasserkran zwischen den Gleisen 3 und 4. Seine Lage abseits der Durchfahrtsgleise ermöglichte die Wasseraufnahme, ohne dafür ein Durchfahrtsgleis zu blockieren.

Nachdem die ursprüngliche DN-200-Leitung schadhaft geworden war, wurde eine neue DN-80-Leitung eingebaut. Der genaue Zeitpunkt dieses Umbaus ist bislang nicht abschließend belegt. Möglicherweise erfolgte er im Jahr 1977; darauf könnte die entsprechende Jahresangabe an einer zur späteren technischen Ausstattung gehörenden Pumpe hinweisen. Ob diese Pumpe tatsächlich im Zuge der Erneuerung der Leitung eingebaut wurde und in welchem technischen Zusammenhang sie mit der DN-80-Leitung stand, ist derzeit jedoch nicht eindeutig geklärt.

Teile der historischen Wassertechnik sind bis heute erhalten. Dazu gehören die beschädigte DN-200-Leitung sowie der Schwimmer der früheren Füllstandsanzeige im Bereich des Wasserbehälters.

Der Zustand heute

2025 ließ unser Verein den Wasserturm durch den Sachverständigen Dipl.-Ing. Holger Prade ausführlich untersuchen.

Ziel war es, den baulichen Zustand zu erfassen, Schadensursachen zu bewerten und daraus Empfehlungen für die Sanierung abzuleiten. Das Gutachten soll als Grundlage für die weitere Planung dienen.

Der Befund zeigt ein differenziertes Bild: Der Turm ist sanierungsbedürftig, wesentliche Teile seiner historischen Konstruktion sind jedoch erhalten.

Am Stahlbehälter wurden Korrosionsschäden festgestellt. Nach der im Gutachten dokumentierten fachlichen Einschätzung war seine Stabilität zum Zeitpunkt der Untersuchung dadurch nicht gefährdet. Empfohlen wurden zunächst eine Beräumung und eine regelmäßige Kontrolle des Korrosionsfortschritts.

Auch bei der Untersuchung des Bauwerks wurden keine Schubrisse festgestellt, die auf Schäden im Bereich des nicht freiliegenden Fundaments schließen ließen. Zur weiteren Absicherung wurde dennoch eine Probeschachtung empfohlen.

Unser Ziel: erhalten statt ersetzen

Der Wasserturm soll nicht wieder als technische Anlage in Betrieb genommen werden.

Er soll als Denkmal gesichert, saniert und dauerhaft erhalten werden.

Dabei möchten wir so viel wie möglich von seiner historischen Bausubstanz und technischen Ausstattung bewahren. Denn gerade die erhaltenen Details machen nachvollziehbar, wie der Wasserturm einst funktionierte und welche Bedeutung er für den Eisenbahnbetrieb in Radeberg hatte.

Genau darauf richtet sich die weitere Arbeit unseres Vereins.